Gedankenexperiment

Schon einmal haben wir im SOOC1314 gefragt, wie Ihr die Hochschule der Zukunft seht, wenn es keine Präsenzveranstaltungen mehr gäbe und alles online abliefe. Nun wollen wir die Sache noch ein Stück weiter treiben. Was wäre, wenn wir Bewertungen nicht mehr aufgrund einer Klausur oder Hausarbeit bekämen, sondern aufgrund unseren Verhaltens, unserer Entwicklung, die mithilfe von Learning-Analytics-Anwendungen aufgezeichnet und/oder mit E-Portfolios dokumentiert und reflektiert wurden.

Dieser stark konstruktivistische Ansatz ist (zumindest aktuell) in unserer Gesellschaft bzw. in unserem Benotungssystem nur schwer vorstellbar. Selbst Waldorfschüler müssen (oder können?) eine schriftliche Prüfungen ablegen wodurch sie objektiv bewertet werden.

Dem individuellen Schüler wäre damit sicherlich geholfen. Er muss nicht nur stupide Wissen aufnehmen um anschließend einer einheitlichen Prüfung unterzogen zu werden. Dem Individuum wird die Möglichkeit geboten, sich seinem persönlichen Wissenstand gerecht weiterzuentwickeln. Der tatsächlich vollzogene Lernfortschritt ist auf diese Weise sicherlich höher als er subjektiv wahrgenommen wird.

Auch der Lehrer ist nach diesem Modell in einer ganz anderen Pflicht! Er kann nicht nur seinen Lernstoff runterpredigen und nach der vergeigten Matheprüfung sagen: „Jap, du warst nicht gut, du solltest das nächste Mal mehr lernen“. Der Lehrer MUSS, um überhaupt eine gerechte und nachvollziehbare Bewertung zu finden, den einzelnen Schüler explizit betrachten und die individuellen Defizite ausarbeiten. Somit kann der Lehrer gleichzeitig wesentlich besser auf die Schüler eingehen und gezielt Lehren.

Wie eine solche Bewertung aussehen könnte, habe ich im Blog-Post E-Portfolio-Arbeit von der KiTa bis zur Seniorenakademie skizziert.

Ein weiterer Weg könnte auch das Stackoverflow-Prinzip sein. Oft genug kommt es vor, dass sich Informatiker mit einem Link zu ihrem Stackoverflow-Profil bewerben. Hier kann detailliert eingesehen werden welche Aufgaben die Person erledigt hat bzw. über welches Wissen die Person verfügt. Daraus können die Fähigkeiten und Fertigkeiten die diese Person im jeweiligen Unternehmen einbringen kann, abgeleitet werden.

Sollte solch eine Plattform parallel zum Online-Unterricht eingesetzt werden, könnten nicht nur die Schüler Fragen stellen und von ihren Mitschülern (was bekanntermaßen dem Helfer den größten Lernfortschritt bringt) und dem Lehrer beantwortet bekommen, sondern die Lehrer haben zugleich einen Einblick in den Wissensstand der einzelnen Schüler (beidermaßen von denen die helfen und denen die Fragen stellen).

Hilfreiche Antworten, eine hohe Aktivität oder auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lerninhalt könnte dann als Bewertungsgrundlage dienen.

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